Hoch aus dem Norden der Republik weht eine Brise, so frisch wie einstmals die Winde beim "Richter Gnadenlos" aus Hamburg. Die
hat beschlossen, dass Studierende für einen krankheitsbedingten Rücktritt von einer Prüfung ihren attestierenden Arzt von der ärztlichen Schweigepflicht entledigen müssen.
Die Uni Kiel setzt Maßstäbe
Nach Informationen der
Lübecker Nachrichten findet dieses zupackende Ansinnen der Universität Kiel die Unterstützung des zuständigen christdemokratischen Staatssekretärs
Jost de Jager.
Keine Scheinkrankheiten mehr!
Ich finde das einen mutigen Vorstoß. Denn es kann ja nicht angehen, dass am Ende noch Ärzte darüber entscheiden, ob die zu prüfenden Studierenden krank sind. Die fachliche Entscheidung über solche inneruniversitären Angelegenheiten kann schließlich nicht bei einer Stelle getroffen werden, die von Prüfungen vielleicht gar keine Ahnung hat. Erst recht gilt das in den Zeiten nach Pisa, in denen ein für den Laien leicht als trivial missverstandenes System aus Bachelor- und Masterprüfungen existiert!
Die Entscheidung über die Krankheit sollte dementsprechend dort richtig aufgehoben sein, wo das echte Verwaltungswissen über das Prüfungswesen in konzentrierter Form vorhanden ist. Bei den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern im Prüfungsamt. Punkt!
Keine illegalen Stasi-Methoden!
Von den Studierenden sind erwartungsgemäß Übertreibungen zu erwarten. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Kiel spricht etwa von einem
Seelenstrip. Solche Pauschalisierungen halte ich nicht für sinnvoll.
Ich wende mich auch ausdrücklich gegen Wortmeldungen, die in dieser Praxis der Prüfungsämter Stasi-Methoden sehen wollten. Weder ein Staatssekretär Jost de Jager, noch ein so renommierter Universitätspräsident wie Dr. Gerhard Fouquet würden Stasi-Methoden gutheißen!
In Kiel ist die Ausforschung legal!
Die Sachlage stellt sich vielmehr gänzlich anders dar. Die Unrechts-Stasi der DDR musste Informationen wie die Krankheiten der Studierenden nämlich in verdeckter Mission unrechtmäßig ermitteln. Der Rechtsstaat zeigt, wie es auch anders geht. Die neuen Richtlinien der Uni Kiel erlauben es nun endlich, den faulen Studierenden und DrückebergerInnen legal auf die Schliche zu kommen.
Den Krankenstand halbieren?
Vielleicht fruchtet ja das Anliegen, die Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden, auch in der Wirtschaft! Das könnte endlich den Aufschwung bringen, der aus der Wirtschaftskrise heraushilft!
Ein wertkonservatives Vorbild für Discounter wie Lidl?
Auch in den Branchen, die in Deutschland die Arbeitsplätze schaffen, könnte nämlich mit diesem mutigen Ansatz mitunter der Krankenstand gesenkt werden. Wie will denn ein möglicherweise willfähriger Arzt entscheiden, ob eine Kassiererin zu krank zum Kassieren ist? Was versteht ein Arzt oder eine Ärztin denn vom Kassiervorgang? Eben! Der Filialleiter wird hier doch klar das praxisnähere Verständnis aufweisen können.
Die Wirtschaft könnte so endlich den effektiven Krankenstand reduzieren. Die hier eingesparten Ausgaben lägen potentiell für die Investition in neue Filialien und Mitarbeiter bereit!
Ich danke an dieser Stelle Herrn Jost de Jager für sein CDU-Temperament. Ich würde mich freuen, über zukünftige visionäre Forderungen frühzeitig informiert zu werden!
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