fand Mikrofone in seinem Büro, heißt es heute. Ein Reporter des Inforadios erbat dazu Stellungnahmen von mehreren Abgeordneten, von denen
hier Erwähnung finden. Diese letzteren im Terzett der Wolfgangs verlangen dem weltgewandten Journalisten des gesprochenen Worts von Kenntnis eine gewisse Flexibilität ab, und genau darum soll es jetzt gehen.
Würde eine durchschnittlich gebildete Mitbürgerin den Namen "Bosbach" aussprechen, wie klänge dies? Sie spräche das "Bach" wie Bach, und ihr "bos" klänge wie das "bos" in boshaft. Mithin sagte sie einen Namen, der an ein boshaftes Gewässer gemahnt, nicht aber an einen stellvertrenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU Bundestagsfraktion. Der Familienname wird denn auch anders gesprochen. Mutmaßlicherweise seit Generationen lautet er, heute der herausgestellten Position angemessen, "Boss"bach.
Wie nennte nun der Lebensgefährte unserer Mitbürgerin den Vizepräsidenten des Bundestags? Richtig, es klänge das "Tier" (wie das Tier) und das "se" wie in Hirse. Ei, ei, ei. Wer gerade lacht und dabei an die Verbindung von Tier und Bart denkt möge bitte eine stille Sekunde einlegen. Und den nonkonformen Menschen dieses Erdenrunds den gehörigen Respekt zollen, sowie geloben, die richtige Aussprache zu lernen. Sie lautet "T" wie in "Tür", plus "irrse" wie in "Hirse".
"Mein Name ist König. Buchstabiert: M, e, i, e, r". Ich kenne keine schönere Karikatur dieser Unzufriedenheit mit dem eigenen Namen als in der englischen Fernsehserie "Keeping Up Appearances". Hyacinth, die dem Adel zugetane Hauptfigur aus unadeligem, kleinbürgerlichem Hause, großartig gespielt von
Patricia Routledge, ist mit dem Nachnamen "Bucket" (Eimer) gestraft. Gestraft, weil sie weiß, dass die Welt von ungebildeten Menschen nur so wimmelt, die ihren Namen nicht korrekt als "Bouquet" auszusprechen wissen.
Einen umgekehrten Fall kenne ich aus meiner Universitätszeit. Ein in der Hochschulöffentlichkeit stehender wissenschaftlicher Mitarbeiter trug einen einfachen norddeutschen Namen. Der Namensträger wollte ihn auch, im Gegensatz zu den zuvor genannten, beibehalten. Er hieß "Fick". Und wer Umgang mit diesem seriösen und verantwortlichen Mann pflegte beließ obszöne Kommentare verschämt in der zerebralen Abteilung fürs Pubertäre. Wie gesagt stand Herr Fick in der Öffentlichkeit, so dass öfters ihm zuvor unbekannte Personen das Wort an ihn richteten. Stellen Sie sich das einmal selbst vor. Sie müssten eine Frage an einen Mann stellen, dessen Namenskärtchen ihn als Herrn Fick ausweist. Die etwas Verschämten unter den Menschen vermieden dann einfach die Namensnennung, oder nannten ihn, wie ich zu mehr als einer Gelegenheit erlebte, Herrn "Wick".
Es sei betont, dass weder Frau Bucket, noch Herr Fick den Vornamen "Wolfgang" trugen. Die Divergenz von gelesenem und gesprochenem Namen ist also mitnichten dem Vornamen Wolfgang geschuldet und muss Person für Person erarbeitet werden. Der brave Inforadio-Journalist jedenfalls war dem allen gewappnet, die Namen kamen ohne Fehl über seine flexiblen Lippen. Seine Berufskollegen zollen ihm Respekt.