Ein magerer Monat trennt die Bundesrepublik Deutschland von den Koalitionsgesprächen zwischen der CDU/CSU - Einheits-Partei und der wohlbeleibten FDP des Einen. Höchste Zeit also, um der zukünftigen Koalition mit guten Ratschlägen zur Seite zu stehen. Mein Beitrag soll dem zeitgemäßen Bildungskanon unserer Kinder gelten:
Chancengerechtigkeit
Das Prinzip der Chancengerechtigkeit wird als Teil der Grundüberzeugung der liberal-konservativen Koalitionsparteien in den nächsten Jahren verstärkt seine Wirkung entfalten. Es lässt sich am leichtesten im Kontrast zu seinem Gegenstück erklären, zur Chancengleichheit. Die Chancengleichheit zielt darauf ab, allen Mitgliedern einer sozialen Verteilung mit vergleichbarer Befähigung die gleiche Chance zu geben, eine knappe Ressource zu erlangen. Bekanntestes Beispiel sind die sog. Führungspositionen, die nach dem Prinzip der Chancengleichheit zur Hälfte von Männern und zur Hälfte von Frauen besetzt werden sollten. Wenn im Ergebnis alle sozialen Gruppierungen einen verhältnismäßig gleichen Anteil an der Ressource haben wird daraus gefolgert, dass sie tatsächlich chancengleich errungen werden konnte. Das ist wie beim Würfeln. Wenn bei häufigen Würfen statistisch jede Zahl gleich oft vorkommt, dann war keine Zahl bevorzugt; jede Zahl hatte die gleiche Chance.
Bei der Chancengerechtigkeit ist das statistische Ergebnis des Würfel-Wurfes hingegen nicht entscheidend. Wenn beim häufigen Würfeln eine Ziffer besonders häufig vorkommt, ist das nach dem Prinzip der Chancengerechtigkeit eine gerechte Fügung. Das Prinzip der Chancengerechtigkeit erkennt somit die Sprengkraft des Prinzips der Chancengleichheit; letzteres könnte unsere wirtschaftliche Ordnung nämlich kurz gesagt zerstören. Denn die Führung sollen ja stets die Besten übernehmen, und nicht etwa Quotenfrauen oder Quoten-Ossis. Den Alptraum mag sich jeder selbst ausmalen, wäre aus Gründen einer politischen Quote die Nummer Eins bei Arcandor nicht ein Mann wie Thomas Middelhoff gewesen, wäre die Hypo Real Estate nicht durch einen Könner wie Georg Funke geführt worden, hätte ein Unternehmen wie die Sachsen-LB nicht in der starken Hand eines Michael Weiss gelegen. Wären stattdessen diese wichtigen Positionen durch das zufällige Maß einer Quote besetzt worden - unser Land hätte nicht nur ein paar Dellen abgekommen, nein, unser Staatswesen würde nicht mehr existieren!
Die Chancengerechtigkeit vermittelt sich natürlich nicht von selbst. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie unserer Zukunft den Kindern das Prinzip der Chancengerechtigkeit besser vermittelt werden kann. Und die Lösung ist ganz einfach! Auf kindgerechte spielerische Art hilft hier ein:
Chancengerechter Würfel
Der chancengerechte Würfel sieht aus wie ein ganz normaler Würfel mit einer Augenzahl von eins bis sechs. Mit ihm üben sich die Kinder im Mathematikunterricht und lernen wie im Spiel, dass in einem kompetitiven aber gerechten Umfeld die Leistung auch belohnt wird. Die Kinder üben sich im stochastischen Verfahren und lernen zugleich den Umgang mit sozialen Regeln.
Jede Praxis ist um so begreiflicher, wenn sie theoretisch vorbereitet wird. Die Kinder lernen daher zunächst die denkbar einfachen Spielregeln. Mädchen, die eine 1 oder 2 würfeln, bekommen eine spielerische Position als Managerin zugewiesen. Mädchen, die eine 3, 4, 5 oder 6 würfeln bekommen eine Position als Team-Mitarbeiterin unter der Führung der Managerinnen und Manager. Bei den Jungs ist es fast genauso. Sie haben im Schnitt einen schlechteren Notendurchschnitt, als die Mädchen, deswegen kommen die Jungens mit Würfen einer 3 oder 6 ins Management. Die Jungs mit einer 1, 2, 4 oder 5 kommen wie die Mädchen mit den 3en, 4en, 5en und 6en ins Team der Indianer.
Um das Verständnis für das Prinzip der Chancengerechtigkeit herzuleiten muss der chancengerechte Würfel natürlich noch speziell präpariert werden. Er wird gemäß den jeweils aktuellen soziologischen Erhebungen gestaltet, so dass die 1 und 2 bei einem fairen Wurf mit der chancengerecht richtigen Wahrscheinlichkeit von insgesamt etwa 5% auftrifft. Auf die 3, 4, 5 und 6 werden schon wegen der höheren Augenzahl die übrigen 95% mit einer jeweils chancengerecht korrekten Wurfwahrscheinlichkeit präpariert.
Chancengerechter Unterricht: spielerisch und preiswert!
Beim fairen Auswürfeln werden sich dann schnell die am richtigen Leben orientierten Teams und Führer ausbilden. Die Jungs können beweisen, dass sie Teams trotz ihrer schlechten Noten hervorragend führen können. Die Mädels lernen, dass neben Fleiß und Können auch das Teamplay eine entscheidende Rolle im Leben spielt. Die Kinder lernen so einfach und intuitiv, wie wichtig die korrekte Ordnung und das Fairplay sind.
Die Spiele können dabei freilich noch variiert werden, so dass beispielsweise die Management-Teams mit einer weiteren hierarchischen Stufe ausgebildet werden, etwa mit den Einsern, Dreiern und Vierern ins Top-Management und mit den Zweiern und Fünfern ins einfache Management. Oder mit einem optionalen zweiten Wurfversuch, wenn eine 1 oder 2 gewürfelt wird. Oder mit einem zweiten Wurf, wenn sich die Mehrheit der bereits ausgewürfelten Manager dafür aussprechen. Es sollte hier aber völlig ausreichen, der Phantasie der Kinder freien Lauf zu geben - die Kiddings werden sich die wichtigen Erkenntnisse der Chancengerechtigkeit dann wie von selbst erarbeiten.
Summa Summarum: der Vorschlag des chancengerechten Würfels im kindgerechten Unterricht ist preiswert und leicht durchführbar. Es bringt den Kindern die Prinzipien einer gerechten Gesellschaft näher und kann mühelos in den Unterrichtskanon ab etwa der siebten Klasse eingebunden werden. Von der Leyen: übernehmen Sie!