Das NDR-Magazin "Zapp" berichtete vorgestern über einen modernen Trend, der sich als Mitbringsel der Globalisierung auch im heimischen Gefilde einer zunehmenden Beliebtheit erfreut. In islamisch geprägten Ländern entspricht es der Tradition, dass die Wohlhabenderen den weniger Begüterten eine milde Gabe zukommen lassen, ein Bakschisch. Dieses Prinzip der wohltätigen Unterstützung läuft inzwischen auch bei der deutschen Wirtschaft wie geschmiert.
Presserabatte
Die Unternehmen haben verstanden, dass der hochkompetitiven Wettbewerbsstruktur geschuldet heute gerade die Journalistinnen und Journalisten kaum noch einen Groschen beiseite legen können. Und die Unternehmen springen in die Bresche, ohne davon viel Aufhebens zu machen. Sie warten ganz im Gegenteil bescheiden, bis zum Beispiel eine "Zapp"-Redaktion über die Wohltaten der deutschen Unternehmen für die Presse berichtet. Wenn auch unter dem etwas reißerischen Titel: "Presserabatte: Wie Journalisten um Prozente feilschen". Soziales Engagement hat eben in Teilen der Presse keinen guten Klang...
Die guten Samariter
Viele Unternehmen machen sich heute um die Pressefreiheit verdient. Zumindest eine kleine zufällige Auswahl sei hier mit Lob überhäuft:
- Apollo Optik bietet 25% Rabatt, unscharfe Reportagen gehören damit der Vergangenheit an.
- Kabel Deutschland bietet für ihr Programmpaket "Kabel Digital HOME" etwa 60% Rabatt, der freie Zugang zu den Medien ist damit gewährleistet
- E-Plus bietet auf den Gesamtrechnungsbetrag (außer für Inhalte fremder Anbieter) einen Rabatt von immerhin noch 20%. Bescheidene Berichterstattungen wegen zu hoher Handy-Kosten dürften damit vom Tisch sein.
- Bäderland Berlin bietet auf ihre Bäderausstattungen 15% Rabatt, die saubere Berichterstattung ist damit wohl garantiert.
- Volkswagen bietet unter anderem 15 Prozent Rabatt auf ihre Neufahrzeuge, wenn sie direkt ab Werk bestellt werden. Reportagen sollten nicht wegen der Panne einer Schrottmühle unter den Tisch fallen.
- Deutsche Vermögensberatung bietet einen Rabatt von 20% auf ihre KFZ-Versicherungen. Alles für die Sicherheit der rasenden Reporter!
Demokratische Rabatte
Wie groß die wohltätige Rolle der Wirtschaft für die Presse heute ist hat der fünfundzwanzigjährige Nachwuchsjournalist Dominik Stawski unlängst ermittelt. Er befragte 1300 Journalistinnen und Journalisten danach, ob sie bereits von Presserabatten gehört hätten und welche sie ggf. in Anspruch nähmen. Demnach kannten wohl praktisch alle JournalistInnen die Presserabatte und 74% der Befragten würden sie auch nutzen. Jeder Dritte hätte zum Beispiel schon ein Auto zu besonderen Pressekonditionen gekauft und ebenfalls ein Drittel der Befragten würde aktuell von verbilligten Handytarifen profitieren. Die Umsetzung der Rabatte für alle JournalistInnen ist damit wahrlich demokratisch ausgefallen. Denn alle Journalistinnen und Journalisten können frei wählen, welche Rabatte sie in Anspruch nehmen.
Auch unterstreichen die Zahlen eindrucksvoll, dass die journalistische Landschaft ohne die Unterstützung der Wirtschaft heute nicht mehr lebensfähig wäre. Ohne sie würde der Journalismus in Deutschland wegbrechen wie dereinst die Stahlindustrie im Vereinigten Königreich, als auch nach monatelangen Streiks keine höheren Löhne erzielt werden konnten. Ohne die sozialen Zuschüsse der Wirtschaft wäre der Journalismus in Deutschland praktisch tot.
Presserabatte - das Lob der anderen
In der journalistischen Zeitschrift "message" (Ausgabe 2/2009) berichtet Stawski internetöffentlich von der Studie. Den Artikel Discount für die Unbestechlichen greift das Medien-Blog "Medienfieber" im April 2009 auf und berichtet über die Studie: drei von vier Journalisten nutzen Presserabatte. Der Blogpost findet das Echo einer Leserin. Einen Tag später greift auch das Presserabatt-Portal "pressekonditionen.de" das Thema auf. Der Artikel Studie: 74 Prozent der Journalisten bei Tageszeitungen nutzen Rabatte verhallt allerdings unkommentiert.
Handwerks-Rabatte
Es ist traurig zu sehen, wie wenig Resonanz die aufopferungsvolle Arbeit der Wirtschaft in den Medien hervorruft. Wen wundert es da, wenn die deutschen Samariter des ausbleibenden gesellschaftlichen Zuspruchs wegen nicht auf die Idee kommen, ihre Rabattaktionen weiter auszudehnen? Überspitzt gesagt sind es doch gerade die Multiplikatoren in den Medien, die dieses Unterfangen voranbringen könnten. Aber wo bleiben die Forderungen, die sich mit lauter Stimme einsetzen für:
- Handwerks-Rabatte
- Manager-Rabatte
- Professoren-Rabatte
- Hausfrauen-Rabatte
- Angestellten-Rabatte
- Beamten-Rabatte
- Künstler-Rabatte
- Aushilfsarbeiter-Rabatte
- Arbeitslosengeld-III-Empfänger-Rabatte
- Politiker-Rabatte
- Schwerbeschädigten-Rabatte
- Fabrikarbeiter-Rabatte
- Bahnpiloten-Rabatte
Tipps für den Presserabatt
Presseausweis
Die sozial tätigen Unternehmen müssen sich natürlich gegen den Missbrauch schützen. Deswegen muss die Pressetätigkeit in vielen Fällen tatsächlich durch einen Presseausweis nachgewiesen werden. Die gängigsten Presseausweise werden ausgestellt von:
- DJV (Deutscher Journalisten-Verband)
- ver.di dju (Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union)
- BDZV (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger)
- VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger)
- DPV (Deutscher Presse Verband)
- VdM (Verband der Motorjournalisten)
- VDS (Verband Deutscher Sportjournalisten)
- Freelens
Rabatt-Recherche
Die Recherche nach Presse-Rabatten ist im Internet sehr leicht. Insbesondere das nebenberuflich aufgezogene Projekt von Sebastian Brinkmann ist hier zu erwähnen. Bereits im April 2001 begann er, bei den pressekonditionen.de die fehlende Transparenz herzustellen. Er sammelt und präsentiert seitdem die besten Rabatte für Internet, Auto, Reisen, Computer & Co. Als Nachzügler folgte erst im späten Jahr 2006 die Seite presserabatte.com und einige kleinere Dienste. Alles in allem bleiben für die pfiffige Journalistin oder den pfiffigen Journalisten jedenfalls kaum Shopping-Wünsche unrabattiert.
Fragen kostet nichts
Wer für seine Einkäufe nicht das passende Angebot findet, hat den Recherchen des Zapp-Magazins zufolge auch bei der direkten Ansprache beim Handel gute Erfolgsaussichten. Hilfreich sind dabei ausdrücklich kommunizierte Preisvorstellungen. Die Unternehmen wissen in der Regel, wie nötig ein neuer großflächiger Plasmafernseher für die journalistische Arbeit ist. Die wohlwollende Unterstützung ist daher in vielen Fällen gewiss.
Danke an die Samariter des Presserabatts
Hier sei es deswegen ausgesprochen. DANKE an die am Presserabatt teilnehmenden Unternehmen! Führen Sie Ihren Einsatz fort. Entwickeln Sie die Konzepte weiter!
Beklage sich noch einer über die Unternehmen: die tun was!